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Charly Men's BIZARRE

Written by Charly Men

Beschreibung
Leseprobe
Veröffentlicht: 30.09.2017
Seiten: 150

Bizarre Horror-Serie als Buch | Game

Bizarre Horror-Serie als Buch | Game

"Das Leben des beruflich aufstrebenden und frisch verheirateten jungen Mannes Charly Clearwater hat sich nach dem Kopfschuss durch einen Unbekannten drastisch verändert.
Dankbar, den Angriff überlebt zu haben, muss er sich nun täglich mit Angstzuständen und Visionen auseinandersetzen, welche ein normales Weiterleben für ihn unmöglich machen.

Clearwater wird seit seiner Genesung ununterbrochen mit den bizarr schockierenden Wunschträumen seiner Mitmenschen konfrontiert, welche ihn auf Schritt und Tritt verfolgen. 
Da er zu Anfang nicht weiß, ob diese Szenerien realistisch sind, oder nicht, versucht er diese schlichtweg zu ignorieren, um sich wieder seiner Karriere widmen zu können. 
Doch als ihm erneut der Boden unter den Füßen zu entgleiten droht, rät ihm sein Bruder John sich den Szenarien hinzugeben, anstatt sie zu unterdrücken.

Daraufhin erfüllt Clearwater den ersten bizarren Wunsch eines beliebigen Menschen, der ihn somit zum psychopatischen Schergen macht, ohne dass er es selbst bemerkt.

Da Clearwater glaubt in dieser Tat eine Art Linderung seiner Angstattacken empfunden zu haben, er diese sogar erregend fand, widerspricht er auch nicht, als John ihn zu 11 weiteren Wunschtaten ermutigt. 
Doch noch bevor er den entscheidenden 13. Wunsch, der einer boshaften Macht zum Triumph verhelfen soll, erfüllt, erhält er den Wunschtraum seiner Frau Amanda, der ihn auf die Fährte seines Mörders führt und ihn wieder menschlich macht.

Doch wenn er ihren Wunsch erfüllt, führt er uns ins Chaos."

Leseprobe

Aus dem Intro Charly Men's BIZARRE: Alltagskiller

[...]

Amanda saß auf dem gemeinsamen Ehebett und cremte sich ihr Gesicht. Die Wut hatte bereits nachgelassen, denn war sie schon einiges von Charly gewöhnt. Insgeheim schmiedete sie gedanklich Pläne zur Umsetzung ihres Traumes, als sie hörte, wie Charly hastig die Treppe hinauf in sein Arbeitszimmer trampelte und die Tür hinter sich zuschmiss.
Charlys blondes kurzes Haar wütete nun tatsächlich wild und unbändig auf seinem Kopf, riesige Schweißflecke fraßen weiter an seinem Hemd, auch seine teure Anzughose war schmutzig und faltig, doch blieben seine Muskeln freudig angespannt, als er etwas zerknirscht die Tür verriegelte.
Zügig schaltete er das kleine Lämpchen auf dem Schreibtisch an, das ein gedämpftes Licht produzierte. Nachdenklich öffnete er seinen Laptop. Aus der Minibar nahm er sich einen Scotch, den er dann in ein dickes verziertes Glas kippte und gierig herunterschlang. Er füllte das Glas erneut, als er sich im Fensterglas reflektiert sah und dachte, Wer ist diese Frau?
Kurz blickte er in das Regal zu seiner Rechten, wo er die Buchdeckel seiner Bücher Mankind: Update verfügbar, Nemesis‘ Zorn und 2beGOOD betrachtete. Ein gemischtes Gefühl überkam ihn, denn waren auch diese Geschichten bereits Ausgeburten seiner ganz privaten Fantasie gewesen, derentwegen er sich manchmal unsicher fühlte.
Schnell startete er sein Schreibprogramm, als er eine neue Datei anlegte, die den Namen Exzess trug. Eine mit Passwort gesicherte Kopie speicherte er an einem sicheren Ort, denn er wusste, dass diese Geschichte bizarr werden würde, durfte doch keiner seiner Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder je erfahren, wer sich hinter dem Pseudonym Charly Men verbarg.
Sofort und ohne zu zögern schrieb er die ersten Seiten seines neuen Buches, wobei er sich gänzlich in seinem Element befand.
Exzess begann, wie es beginnen musste:

EXZESS von Charly Men

Ein Kriminalporno.

[…]

Ping!
„Ich weiß. Die Akte liegt auf meinem Tisch. Ich sehe sie mir gleich morgen an!“
Er lief langsam den Hausflur entlang, während er nach dem passenden Schlüssel suchte. Eine schlanke, große Silhouette folgte ihm.
Er war nur noch wenige Schritte von seiner Wohnung entfernt und wollte das Gespräch beenden, noch bevor er sich daran versuchen würde, gleichzeitig zu telefonieren, die Haustür aufzuschließen, im Gespräch konzentriert und ernsthaft zu klingen und die Briefe samt Jacke in seiner Hand unbeschadet ins Wohnungsinnere zu jonglieren.
„Wie ich gerade gesagt habe, kümmere ich mich morgen darum. Heute wird nichts mehr passieren! Das garantiere ich dir. Wir sehen uns morgen!“
Endlich war der Weg frei. Er nahm das Telefon von seiner Schulter und beendete das Gespräch. Der richtige Schlüssel war schon gefunden und zielte auf das Türschloss, als ihm die drei Briefe aus der Hand rutschten, weshalb er versuchte diese, noch während der Flugzeit, reflexartig aufzufangen, als er seine Hände ausbreitete, ihm somit das Telefon aus der offenen Handfläche rutschte, woraufhin er gekonnt den Fuß ausstreckte, um den Aufprall des Telefons abzumildern, als ihm die Jacke vom Armwinkel glitt und plump zu Boden fiel.
„Scheiße, verdammt!“

Im Kühlschrank waren noch ein Sixpack Bier und ein paar Schokoriegel, wovon er sich jeweils ein Stück nahm. Die Wohnung erlosch in Dunkelheit, als er diesen wieder schloss. Er schmiss den Bierdeckel in die Spüle, stopfte sich den Riegel in den Mund und hörte den Anrufbeantworter ab.
„Keine neuen Nachrichten!“.
Für ihn war es ein langer Tag gewesen, auch wenn er sich heute lediglich um den Papierkram hatte kümmern müssen, der sich immerhin schon seit vielen Wochen in seinem Büro angestaut hatte. Berge von Akten versteckten sich lange Zeit listig hinter seinem Whiteboard, bis ihn die ersten formlosen Emails erreichten und ihn zum Einlenken veranlassten. Der Rest der Woche war auch nicht weniger mühsam gewesen, weshalb er sich zunehmend hartnäckig auf den kommenden Urlaub freute, der in der Regel etwas Freizeit und Erholung für ihn bot.
Erschöpft setzte er sich auf seine stramme Couch, welche nicht, wie wohl die meisten bequemen Untersetzer, auf einen Fernseher ausgerichtet war, sondern vor einer Glaswand stand.
Eine Glaswand, die als Außenfassade für ein Wohngebäude im 32 Stock mit Sicht auf New Yorks Skyline fungierte. Eine atemberaubende Aussicht bot sich ihm, die ihn jedes Mal faszinierte, wenn er sich zumeist spät abends, wenn überhaupt, auf die genannte Couch niederließ. Vielleicht war es ja diese Seltenheit, weshalb er sich nie an die zahlreichen Lichter New Yorks hatte gewöhnen können, er stattdessen eher verträumt hinausstarrte und hoffte, diese Welt, die er täglich knallhart zu spüren bekam, sei nicht real.
Der Fernseher blieb aus, wie immer, es sei denn, er sah morgens die Nachrichten. Zum morgendlichen Kaffee genoss er zumeist gern Berichte über Morde, Verbrechen oder Gewalttaten, deren Details er dann täglich im Revier eiskalt serviert bekam. Doch in diesem Moment interessierte ihn das alles nicht. Nicht im Mindesten. Er hatte auch heute wieder alles gegeben, mehr als er besaß. Er scharrte an seiner verheilten Wunde. Ein Schuss in die Lende. Das passierte vor einem halben Jahr und machte ihn noch härter, als er jemals glaubte werden zu können, wenn man ein Mensch ist.
Er sog in groben Zügen an seinem Bier und spülte es in seinem Mund mehrmals umher. Der Geschmack brachte ihm Entspannung, die er bitter nötig hatte, und vernebelte seine Sinne. Er legte den Kopf zurück und sah zur Decke hinauf. Kleine Lichter tanzten auf ihr und beschwerten seine Augen, seine Konzentration fiel, sein Bewusstsein wich, die Anspannung ließ nach. Das Bier in seiner Hand neigte sich bedenklich. Er hörte ein zartes Summen im Ohr, das sich wie Musik in seinem Kopf umherbewegte. Die Geräusche des Tages zerbrachen an der Schallwand der rauchigen Ruhe und ließen seine Knochen vibrieren. Ein Wärmegefühl erfasste seinen Körper und er fühlte sich schwer, massig. Die Müdigkeit betäubte ihn, das kleine Stimmchen sang.
Unterhalb seiner Augenlider war es schwarz geworden, kleine Sechsecke flackerten in tiefroten Farben inmitten der Schwärze, bis die Gegenwart schließlich vergessen und die Unruhe im Keim erstickt war.
Da erschien an diesem Ort ein Gesicht. Das Gesicht einer Frau, mit Farben bemalt, wie er sie noch nie gesehen hatte. Die tiefsten, schärfsten, buntesten und schönsten Farben des Universums, wie es kein Künstler, keine Kamera jemals aufzuzeichnen vermochte, zierten ihre Gesichtszüge.
Die Lippen noch glühender, als das Rot des denkwürdigsten Sonnenuntergangs aller Zeiten; die Augen, noch grüner, als der exotischste facettenreichste Smaragd auf Erden; die Wangen, tief orange, schöner, als die süßeste Frucht am ertragreichsten Orangenbaum, am glücklichsten Ort der Welt; die Nasenspitze, derartig golden, wie der größte unterirdische Schatz, den die Menschheit niemals zu entdecken vermag.
Nahezu krümmten sich seine Sehzellen vor dem Glanze dieser Weiblichkeit, denn als sie ihre vollen blutroten Lippen bewegte, sich ihre Symmetrien zu verschieben begannen, neue atemberaubende Perfektionen geschaffen wurden, verließ ihn die Kraft dieses Augenblickes, denn konnte er ihren Anblick kaum mehr ertragen, so musste er, ob er wollte oder nicht, obwohl er sich nichts sehnlicher wünschte, als nur zuzuhören, zu lauschen, was diese Macht ihm zuflüstern würde; wie sie dabei aussah, wie sie wohl klinge, die Augen öffnen.

Erschrocken erwachte er, wobei sein Blick noch immer zur Decke gerichtet war, doch blieben all die Lichter nun verschwunden, als eine unangenehme Ruhe ihn umgab. Er hob den Kopf, schüttelte ihn und rieb sich die Augen. Mit Kraft durchfuhr er seine schwarzen kurzen Locken, die bald wieder unbefangen ihre alte Position einnahmen.
Irritiert setzte er die Bierflasche erneut an. Beinahe erfrischte der schale Inhalt seine raue Kehle, sodass sein Adamsapfel wie wild zu springen begann und er die ganze Flasche mit einem Zug leerte. Immer wieder funkelten die Farben in seiner Erinnerung auf, wie zahlreiche Blitze in einer unruhigen Nacht, einzig und allein mit dem Ziel, seine Gedanken in eine gewisse Richtung zu dirigieren, in eine Welt fernab von Normalität und Alltag.
Benommen schaute er auf seine schwarze Armbanduhr und erschrak, als er feststellte, dass sein kleiner Traum ihn zwei Stunden gekostet hatte. Er stützte seine Ellbogen auf seine Knie und strich sich durch den dunklen Bart, rieb seinen Nacken, seine Augen, bis sie erröteten, dabei betrachtete er traurig das gerahmte Bild, welches neben ihm auf einem kleinen Tischchen stand. Einsam und allein im Dunkeln.
Mittlerweile schlug es drei Uhr. Der Himmel war schwarz und es war still. Spontan stand er auf, nahm seine Schlüssel, seine Jacke und ging hinaus zum Lift. Gerade als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, glaubte er ein buntes Licht zu sehen und sofort fiel sein Blick auf die Beleuchtung des Flurs, doch erkannte er es nicht, als das Licht, das er in seinem Traum erstmals gesehen hatte. Er glaubte sich zu irren, trotzdem griff er langsam zu seiner Waffe, nur um zu prüfen, ob sie sich noch an ihrem rechten Platz befand. Vorsichtig lief er zum Lift, denn irgendetwas kam ihm seltsam vor.
Nur zehn Schritte vor und dann gleich links hinter der Wand, befand sich ein kleiner silberner Lift, der nur zu gern seine Pforten öffnete.
Der Spiegel an der Rückwand zeichnete sein Äußeres mit viel zu fahlem gelbem Licht, als er eintrat. Die Türen vereinigten sich zu gleichen Teilen, nahmen ihn mit auf eine Reise.
Er drückte auf das kleine Knöpfchen rechts, welches daraufhin grün zu leuchten begann. Rote Zahlen erschienen auf dem digitalen Display an der Wand und verrieten ihm den Fortschritt im Detail. Erschöpft und übermüdet lehnte er sich an die Seitenwand, schloss er kurz seine Augen. Wieder durchfloss ein Summen sein Hirn. Er spürte jedoch eine Veränderung des Lichts, wie sich ein Duft verbreitete. Er richtete sich auf und sah gerade aus, direkt in den Spiegel vor ihm. Er sah seinen Körper, blickte in sein Gesicht. Er roch und fühlte. Etwas hatte sich verändert. Er spürte eine gefährliche Nähe, als er eine goldene Locke im Spiegel reflektiert sah. Eine Locke lugte hinter ihm hervor. Angst durchflutete sein Inneres für einen Moment, Spannung durchzog seine Muskeln, da drehte er sich blitzschnell um, und sah, in diesem engen Raum, der kaum Luft für mehr als zwei Seelen in sich trug, eine Frau.
DIE Frau. SIE!
„Äh…“
Sie nahm ihren Zeigefinger und presste ihn gegen seine Lippen. „Shhh…!“, flüsterte sie.
Der Chief legte seine Stirn in Falten und kniff seine Augen zusammen. Zahlreiche Fragen und unangebrachte Satzanfänge stapelten sich auf seiner Zunge, erdrückten sich gegenseitig in Ignoranz. Die Frau, so bunt, wie ein Regenbogen, hob ihren Kopf und sah zur Decke, gab den Weg frei für seine Blicke. Mit der Exaktheit eines Uhrmachers röntgte er ihren Körper nach Ungesehenem. Er fand es.
Scheinbar ewig blieb er mit seinen dunkelbraunen gierigen Augen an ihren roten knackfrischen Lippen hängen, solange bis ihre Drallheit seine Kräfte hatte schwinden lassen und seine Blicke einfach hinabfielen; und so wanderten sie mit Schwung über ihr zartes goldenes Kinn, über ihren duftenden pastellfarbenen Hals, über ihren fleischigen rosaroten Brustansatz, ihren durchschimmernden kleinen Knospen, über ihren runden Busen, welcher nahezu rechtwinklig auf ihren Rippen endete, weiter über ihren muskulösen fliederfarbenen Bauch, bis hin zu ihrem bronzefarbenen magischen V. Kaum konnte er seine Muskeln noch kontrollieren, da senkte sie wieder ihren Blick.
Köstlich leckte sie ihre roten Lippen. Das Metall in ihrer Zunge blitzte für einen Moment auf. Ihre Augen hielten seine fixiert, unabwendbar, maschinell. Die Frau hob ihre Hand und strich mit ihren blau lackierten langen Fingernägeln über seine feste Brust, wodurch sich ihr Blick kaum merklich veränderte; so leidenschaftlich, wie ein Kühlschrank, so stolz wie eine Königin.
Sanft bewegte sie ihre dünnen Finger hinab, öffnete sie seinen Reißverschluss, löste sie den Hosenknopf. Die Frau griff ungeniert in seine Boxershorts.
„Ahh...!“, schrie er auf, als ihre eiskalten Finger seinen Penis umgriffen, ihre kleine Handfläche, so kühl und glatt, wie Stahl, sich an seiner Wärme entlud, ihre schmalen Finger durch seine Härchen fuhren.
„AHH...!“, schrie er erneut auf, als sie langsam all ihre Nägel in sein erigiertes zartes gläsernes warmes Fleisch grub und kurzum daran riss.

[…]

Er zog ein weißes Hemd an, schnürte den Gürtel eng und schmiss sich sein Jackett über. Die Haare waren gekämmt, aber zottelig. Das Gesicht war glänzend gepflegt, die Zähne poliert, genauso, wie seine Kanone, welche wieder sorgfältig im Schulterholster platziert war. Die Lederschuhe klirrten, als er über die Fliesen lief, wie üblich mit festem Gang.

[…]

Er saß in seinem Büro am Rechner. Tippte. Die Kanone lag auf dem Tisch, neben seinem Kaffee. Verschiedene Kollegen grüßten ihn an diesem Morgen. Mehr oder weniger intensiv.

[…]
Es war später Nachmittag. Er hatte sein rechtes Bein auf sein linkes Knie gelegt, und einen Kugelschreiber in der Hand, die Arme hielt er verschränkt. Ein Block lag vor ihm auf dem Tisch, direkt neben einer frischen Tasse Kaffee und einem verpackten Sandwich. Einsatzbesprechung.
Ein Kollege skizzierte am Whiteboard, sein Umfeld befragte diesen rhythmisch. Er hörte bedächtig zu und machte sich Notizen. Es wurde zunehmend Abend und sein Magen begann zu knurren. Er nahm einen Bissen vom Sandwich und einen Schluck frischen Kaffee, beides ließ er wirken.
Erneut richteten sich seine Blicke auf den Kollegen am Whiteboard, für eine ganze Zeit lang, bis sie leicht abwichen, hin zur Fensterreihe zu seiner Rechten, und dort das Fensterglas durchbrachen, um in die Ferne zu schweifen. Weit schwirrten sie hinaus, ins Freie.
Bald traf sein abwesendes Auge auf ein weiteres Fenster. Ein beleuchtetes Fenster nebenan.
Es fing sein Augenmerk.
Zu deutlich war der Kontrast zwischen dem grellen Licht der benachbarten Wohnung und der darinstehenden dunklen Silhouette einer Person. Er kniff seine Augen zusammen und sah einen Mann am Fenster stehen. Das Fenster war groß. Wahrscheinlich von der Decke bis zum Fußboden. Die Einrichtung der Wohnung war kahl. Ein Büro womöglich, oder noch nicht eingerichtet.
Zurück zum Whiteboard. Eine Zeichnung war zu sehen. Der Kollege stand oft davor, die Zeichnung war daher schwer ersichtlich, erschien daher inkomplett und uninteressant. Er schenkte sich mehr Kaffee ein und durchforstete den Raum nach weiteren Erkenntnissen. Nichts!
Nebenan war das Nachbarzimmer noch immer hell erleuchtet. Jetzt konnte er eine Frau und einen Mann erkennen, wie sie sich unterhielten. Die Frau trug ein langes Kleid. Der Mann war im Anzug, aber ohne Anzugjacke. Die Frau lief durch den Raum und schien energisch zu sein. Der Mann stand weiter am Fenster und lehnte lässig an der Wand. Bald umarmten sie sich, schienen glücklich. Sie küssten sich und redeten. Küssten sich und redeten. Interessant.
Er nahm noch mehr Kaffee und biss kräftig in sein Sandwich. Ein kurzer Blick zum Whiteboard.
Die Skizze war fertig, doch sprach keiner.
Zurück zur Fensterszenerie.
Ein verschlungenes Pärchen war nun sichtbar.
Ihr Lachen offensichtlich.
Der Mann griff der Frau an den Po.
„Tja…“, er nickte kurz. Der benachbarte Kollege schaute daraufhin zu ihm herüber, daher blickte er schnell zurück zum Whiteboard.
Dann nicht mehr. Wieder neigte sich sein Kopf.
Der Mann im Nachbargebäude hielt den Po der Nachbarin mit beiden Händen fest und zog sie zu sich. Daraufhin begann sie zu lächeln und sich nach vorn zu beugen, ihren Busen an sein Hemd pressend.
Sie war willig. Das gefiel ihm.
Wieder küssten sie sich, doch dieses Mal mit viel mehr Leidenschaft. Der Nachbar griff ihr durch das Haar und sie ihm diesmal an den Po.
Das Knutschen wurde heftiger. Wilder.
Er nahm noch mehr Kaffee und kratzte sich am Hals.
Der Mann faltete ihren Rock bis er ihn in einen Minirock verwandelt hatte und hob ihn über ihren Po, nur um diesen dann fest zu packen. Er presste die Frau gegen das Glasfenster, wegen mehr Halt wahrscheinlich.
Der Po klebte jetzt an der Außenfassade, in all seiner runden Pracht.
Er leckte seine Lippen und kaute schnell, kraftvoll.
Der Mann von nebenan fuchtelte an seiner Hose herum, bis ihm diese schließlich an den Beinen herunterhing. Mit einem Riss war ihr Slip Geschichte.
Sie öffnete sein Hemd, Knopf für Knopf. Die Krawatte schmiss er sich über die Schulter, wohl damit sie nicht störte. Die Frau lehnte ihren Kopf zurück an die Außenfassade. Der Mann schlürfte offensichtlich an ihrem Busen, denn sein Kopf war kurzzeitig verschwunden. Er hob die Frau hoch, ihre Beine umschlangen seine Hüften.
„Die Frage geht an dich!“
Er drehte seinen Kopf schnell und antwortete unbefangen auf eine ungehörte Frage.
Die Kollegen fingen an zu diskutieren.
Er aß das Sandwich auf.
Oh. Der Mann drehte die Frau herum. Ihr Busen drückte nun gegen die Fensterscheibe. Ihr Atem perlte. Ihre Augen waren geschlossen. Ihr Arsch reckte sich ihm entgegen, wurde unzählige Male getroffen. „Verdammt…“, flüsterte er. Er wurde geil.
Er schloss die Augen und sah unter den Tisch. Versuchte sich zu entschärfen. Er inspizierte das Whiteboard, wohl langweilig genug. Er sah auf die Uhr. Kurz nach Sex.
Sein Kopf ging nach links, hinaus zum Fenster, und traf auf ihren offenen Mund, wie er schrie, wie ihre Spucke die Fensterscheibe beschmierte, er ihr auf den Arsch schlug und ihren Busen begrapschte, wie ein gieriger Rüde. Er sah ihren wippenden blanken Busen, wie er seinen Penis raus und wieder reinschob, nach strenger Metrik und fieser Geilheit. Die Hände des Mannes waren überall. In ihrem Mund, an ihren Nippeln, an ihren Schenkeln, zwischen ihren Beinen und auf der Fensterscheibe.
Er wurde unruhig, seine Kollegen bemerkten seine Nervosität im Augenwinkel.
Der Mann stieß die Frau bei jedem Treffer gegen das Fenster. Ihre Stirn war gerötet, sie leckte das Glas, ihre rote Zunge leckte am Glas, ihre Lippen schmierten entlang der feuchten Fensterscheibe, hoch und runter, hoch und runter. Ihr Atem sprühte einen immer größer werdenden Radius, da sah er, wie sich ihr feuchter nackter Körper bunt färbte, wie ihr Blick direkt zu ihm fiel, sie ihn lüstern anstarrte, während es jemand mit ihr trieb, als sie ihren Kopf nach hinten warf und sie zu einem Schrei ausholte.
„Ich komme…äh…gleich wieder!“, stieß er hervor und ging.

[…]

Er nahm noch einen kräftigen Zug von seiner Zigarette, bevor er in seinen mattlackierten Wagen stieg. Der Geruch des Rauches verbreitete sich schnell im Wageninneren. Er schnaufte und griff sich beherzt in die Haare. Er war offenbar durcheinander und wusste die letzten Ereignisse nicht so recht einzuordnen, jedenfalls nicht nach den gültigen Prinzipien der bewussten Realität, falls es eine solche gab.
Er dachte an die feuchte warme Höhle der Frau am Fenster, wenn sie schrie und ihren Mund weit aufriss, als ihm ein Schmerz der Erregung durch die Lenden zog und ihn erschütterte. Er stellte das Radio an und fuhr los.

[…]

„Hey, komm schon. Du siehst doch klasse aus. Wie kannst du es schon schwer haben?“
Noch immer benommen, saß er mit Bobby in einer Bar, denn konnte er nicht schlafen, und auf Bobby war immer Verlass. Zu jeder Zeit.
„Danke für die Blumen, Bobby, aber so einfach ist das nicht. Ja klar, alles läuft gut und so, aber…“ Bobby unterbrach ihn.
„Was? Reicht dir das nicht? Weißt du denn nicht, was andere Männer dafür tun würden, das zu erreichen, was du erreicht hast, bislang?“
Er dachte kurz nach und sprach, „Nein. Eigentlich nicht. Ich lebe nun mal mein Leben und betrachte es daher aus meiner Perspektive.“
Bobby schüttelte den Kopf.
„Okay, Bruder. Was ist denn genau dein Problem?“
Er fasste sich in den Bart, bevor er antwortete, „Ich weiß es nicht genau, Bobby. Ich spüre etwas in mir, dass mich in Aufruhr versetzt. Ich fühle mich, wie…“ er dachte erneut kurz nach „als würde ich die Kontrolle verlieren, weißt du!? Fast als ob ich meine Kontrolle bereits verloren hätte, an etwas, das schon mein ganzes Leben in mir war, etwas, das ich immer unterdrückt habe, weil ich mich damit noch nicht identifizieren konnte. Doch nun, aus irgendeinem Grund, ist es da, und führt mich an der Nase herum.“
Er nahm einen Schluck Bier und schluckte es behutsam, sein Blick war auf die Flasche gerichtet, nicht etwa auf Bobby.
„Mein Junge, du machst mir beinahe Angst. Was redest du da? Hast du schlecht geschlafen in letzter Zeit?“ Bobby leerte seine Flasche.
Er schaute betroffen auf und murmelte, „Vielleicht, Bobby. Vielleicht.“
Erneut senkte er seinen Blick.
„Ach komm schon, kannst du nicht etwas genauer werden? Ich verstehe nur Bahnhof von dem Zeug, das du da redest. Welche Kontrolle denn, zum Teufel? Meinst du, du wirst morgen Amok laufen oder dich vor den Bus werfen? Glaubst du, du wirst versagen?“
Betroffen wiegelte er ab.
„Nein, Bobby. Nichts in der Art. Ich würde es nicht als etwas Negatives bezeichnen. Ich weiß nicht, was es ist, aber ich fühle mich dem hingezogen, und habe den Verdacht, dass der Grund, warum ich diesem Gefühl so lange die Kontrolle entzogen habe, nicht belanglos war. Anscheinend ist es nichts Unbedeutendes.“
Bobby schaute betroffen zu, wie er das Etikett von der Bierflasche abzog und nachdenklich sinnierte.
„Hey!“ Bobby kniff ihm in den Arm.
„Du weißt doch, wenn was ist, komm lieber zu mir. Ich mach dich nicht so platt, wie ein dämlicher Bus. Und deine komischen anderen Freunde, die du neuerdings mit dir herumschleppst, taugen keinen Cent.“
Er musste lachen und zwinkerte Bobby zu.

[…]

Der nächste Morgen. Er trug eine schwarze, oft enge Jeans, ein weißes Hemd und einen grauen Blazer, als er vor seinem überlebensgroßen Spiegel stand. Die ledernen Schuhe glänzten gebürstet. Die dunkelbraune Rolex blitzte. Ein schwarzer dünner Schal umrahmte seinen kräftigen Hals, unterstrich seinen scharfkantigen männlichen Ausdruck voller Tiefsinnigkeit. Die schwarzen Augenbrauen kniffen sich zusammen, als er sich kritisch im Spiegel betrachtete. Die feine rustikale Nase runzelte, als ihn die Erinnerung traf. Die Erinnerung an diese bunte Geilheit.
„Pah!“, rief er.

[…]

Er lief mit dem Telefon quer über den Marktplatz. Es war Mittag und die Sonne knallte.
„Tut mir leid, ich hab’s vergessen. Ich bin ein Idiot!“ Aufgelegt.
„Verdammt!“, rief er.
Er steckte das Telefon weg und grummelte in allen Tönen und Facetten, bis er einen Geruch vernahm, den er bereits kannte. Er hob den Kopf aus der Versenkung und schaute sich um. Da lief sie. Es! Sie!
Diese eine Frau aus dem Aufzug.
Er blieb stehen und glotzte unverblümt, als wäre ihm nichts peinlich. Seine ganze Kraft, seine Arroganz und Stärke verblichen, zurück blieb eine Art Abhängigkeit, wie er sie nie gemocht hatte. Tausende Alarmsignale erklangen, als er sie mit seinen Augen fraß.
Wie golden nur ihr Haar war! Unglaublich golden und glänzend und schimmernd. Im Licht! In seinen Augen! Leichte Wellen flogen ihr hinterher, als wären sie von ihr besessen; Wellen, welche ihr bis zu den Hüften reichten und diesen Duft versprühten! Das Haar umgarnte ihr perfektes Gesicht, ihre beigefarbene Haut, ihren kurvigen Körper. Gerade und wippend war ihr Gang. Groß und stolz, wie ein Schwan an seinem schönsten Tag. Ein Schein aus buntem Licht umgab sie, unmöglich zu durchdringen. Kleine goldene Ohrreifen blitzten in der Sonne auf, orangefarbene Pumps schlugen hart auf den Boden, ihre Bluejeans knirschte, ihr Satin-Top raschelte, edler Schmuck klirrte, als sie ihn beinahe streifte. Binnen Sekunden war es vorbei. Was blieb, war ihre Kehrseite, ihr Rücken, ihre wallende Mähne, ihr wippender Arsch; ihre Ignoranz und seine Schwäche.
// Vermerk: Noch mal überarbeiten! Zu viel 2beGOOD.

[…]

Schnell ging er zurück in sein Büro. Er reagierte auf niemanden, der ihn ansprach, antwortete auf keine Fragen. Irritiert fielen die Kollegen hinter ihm zurück, schauten sich einander an, doch keiner traute sich auch nur, ihm zu folgen, ihn aufzuhalten.
Kraftvoll stieß er die Bürotür auf und verschloss sie hinter sich. Er zog die Jalousien zu und machte das Licht aus. Zitternd lehnte er sich mit einer Hand gegen das Glas der Außenfassade, ergebend neigte er seinen Kopf. Gedanken sprangen wild umher. Bilder, Gerüche und Töne fingen sich.
Ein Geräusch ertönte, wie wenn ihr Haar im Wind wehte, sie ein- und wieder ausatmete, wie wenn sich ihre Beine im Gang in der Mitte streiften, ihre Körbchen unter der Last quietschten, ihre Pumps auf dem Boden knallten und sie mit der Zunge schnalzte.
Mit kräftigen Zügen zog er fester und fester, kniff die Augen zusammen und keuchte. Langsam leckte er über seine Lippen, genauso wie über ihre nassen Nippel, die er sich vorstellte, wie sie steif und zartrosa auf ihrem weichen Feld aus Fleisch und Adern saßen und sich ihm entgegenstreckten.
Ein kurzes „Ah!“ sprang heraus, obwohl er es nicht wollte, keiner durfte ihn jetzt hören. Immer schneller fuhr er fort, immer weiter holte er aus, doch ließ ihn die Fantasie nicht los. Mit einem festen Bang schlug er auf ihren Arsch, dessen Fett daraufhin großräumig weite Wellen schlug und wippte, wie Unmengen wallendes Wasser in einem Bassin der Kräfte.
Er hob seinen Kopf, roch, den Duft zwischen ihren Beinen, spürte die Temperatur in ihrem Höschen, die feuchte Wärme zwischen ihren Schenkeln und sah, wie sie lachte, wie sie ihre blitzenden weißen Zähne dem Himmel entgegenstreckte und sich ihre Lippen wölbten, um diesem atemberaubend schönen Lachen den Platz zu räumen; spürte wie ihre Brüste daraufhin zu wanken begannen, sich ihr Bauch verfestigte und ihre Haare flogen, um ihren duftenden nährreichen Samen überall auf der Welt zu verstreuen. Es gelang. Er war befangen und berührte gedanklich ihren wärmsten Ort. Er spreizte seine Finger, einige gingen dabei kurz verloren.
Mit festem Griff umfasste er sich. In weiten Kreisen griff er umher. Stieß mit dem Handrücken gegen das Glas. Hielt inne. Zog vor. Hielt inne. Zog kraftvoll vor. Bewegte sich im Kreis. Zog. Hielt. Zog. Hielt. Zog. Hielt. Keuchte. Zog. Verkrampfte. Hielt. Hechelte. Zog. Spannte an. Hielt. Atmete aus. Beugte sich vor. Biss die Zähne zusammen. Unterdrückte ein Schreien.
„Oh!“
Er sah sie noch lachen und wie er ihren baren Busen traf. Warm. Überall. Auch auf ihrem Kinn, ihren Lippen.
Sie legte ihren Kopf zurück und strahlte unbeeindruckt.

[…]

 

III

„Schatz? Bist du da drin?“ Es klopfte an die Tür zum Arbeitszimmer.
Charly fuhr zusammen, als ihn die Stimme seiner Frau erreichte. Beinahe automatisch klappte er den Laptop zu und sprang auf.
„Ja, Amanda. Ich bin hier. Was ist los?“, rief er zurück.
„Was los ist? Es ist 08:00 Uhr morgens, musst du nicht zur Arbeit?“
Charly blickte erschrocken auf die Uhr und zum Fenster. In einem künstlich ruhigen Ton antwortete er schließlich, „Ja, sicher. Ich komme gleich.“
Hastig schaute er um sich, schaute er an sich herunter. Noch immer trug er das offene Hemd, die zerknitterte Stoffhose, noch immer schlug sein Herz in diesem unnatürlichen Rhythmus.
„Ich muss jetzt los, bis später!“, rief Amanda durch die geschlossene Tür.
Gott sei Dank, dachte er sich. Er wartete noch einige Minuten, bis er hörte, wie sie das Appartement verließ. Schnell huschte er vom Arbeitszimmer direkt ins Bad, wo er dann eine lange heiße Dusche nahm und sich in den Alles-Ist-Normal Ursprungszustand zurückversetze.
Er kleidete sich an, zog sich sein Jackett über, nahm Laptop und Telefon an sich und betrachtete sich abschließend noch ein letztes Mal in einem der zahlreichen Spiegel der Wohnung. Perfekt.
„Ich sehe gut aus!“, flüsterte er, als er die Haustür des Appartements öffnete und erschrocken stehen blieb.

Wie aus dem Nichts kommend, traf ihn eine Kanonenkugel in die Stirn, woraufhin er bewusstlos zu Boden fiel. Neben ihn landete ein Einwegtelefon auf dem Teppich, aus dem es schallte, „Wir sind in wenigen Minuten bei Ihnen. Bitte halten Sie durch!“

[...]

 

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