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Tue l'érotisme (ou il te tuera)! - Komplett

Eine Kurzgeschichte, verfasst in 1.882 prägenden Worten. PLUS: Eine streng vertrauliche Zugabe.

Eine Theateraufführung bereitet den Schauplatz für eine makabre Inszenierung. Eine Inszenierung, welche das Publikum in eine scheinbare Welt der Gelüste entführt. Gelähmt vom Anblick eines sich begehrenden Paares beim verbotenen Liebesspiel, wird das Publikum Zeuge einer blutigen Wendung, die mit Theatralik nichts mehr gemein hat.

Erotisch - Täuschend - Mörderisch

 

Gerade war es noch nicht da, doch soeben begann das Zimmer auf eine wundervolle Art zu glänzen, ja sogar zu scheinen. Ihre Haut wurde von einem goldenen Funkeln erfasst, der sie unwirklich wirken ließ. Derartig unwirklich, wie die Atmosphäre zwischen ihnen, wenn sie sich ansahen. Ich wünschte sie spürten ihre Hitze, gleich in diesem Augenblick, als sie beide bemerkten, dass sie sich nun allein zwischen den kostbar verkleideten Wänden der intimen Räumlichkeit befanden. Das kräftige Schlagen ihrer Herzen brachte den entlegenen Saal praktisch zum Vibrieren, ein unendlicher Moment des Stillstands durchfuhr ihre Gemüter. Der eine Atemzug, der die Lunge scheinbar nie verließ, übergoss ihre Körper mit einer schroffen Gänsehaut und verfrachtete ihre Seelen in eine Enge, aus der sie niemals entfliehen wollten.

Ganz langsam gingen sie aufeinander zu, doch rasteten sie in jedem Schritt, als wollten sie erfahren, ob eine List ihre Lust zerstören könnte, doch würde sie das nie tun, wenn sie sähe, welches Glück diesen Mann und diese Frau durchfuhr, in diesem währenden Moment. Wie neidvoll sie glänzten, als wäre ihre nächste Tat nicht schon beneidenswert genug, spiegelten sie ein Licht, das Perfektion verspricht. Ganz gleich ihren Seelen und Gedanken waren ihre Körper ebenso zart wie ihr Wunsch sich nun zurückzuhalten. Die Gestalt ihrer, geölt in Schönheit und Stärke, zog sie magisch an, denn die Vollheit ihres Busens, sein muskulöser Schoß, vereint in einer leidenschaftlichen Symbiose, erregte sie alle.

Als sie sich endlich trafen, sich ihre Häute berührten, und der Mann sie ganz entblößte, glitten ihr die Knie davon, da ließ sie sich in seinen Armen fallen.

Ein Glück, dass ihr voluminöses Kleid mit den zahlreichen Polstern schon gleich den Teppich überzog, sodass er sie schlicht-weg auf den Boden fallen ließ, um sie einfach hier zu nehmen. Mit einem kräftigen Ruck an seinem Hosenrocke, riss er sich den ungeschätzten Stoff davon, sodass seine Männlichkeit die Weiblichkeit in rege Verzückung versetzte. Die Männer daher, konzentrierten sich auf die flachliegenden Rundungen der dar-gebotenen und ausgelieferten Frau, welche mit halb verschlossenen Augen auf ihre Belustigung wartete.

Ihr Korsett nur halb geöffnet, ihr Busen spitz aus dem festen Material hervorspritzend, signalisierte dem zunehmend bewusst-losen Mann den Beginn des ersten Aktes.

Die Zuschauer gleichsam beschämt und feucht erregt, schauten dem Spektakel zu, denn waren sie hier aus eben diesem Grunde.

Das kleine Kämmerchen, das gerade so viel Ausschnitt bot, um das Geschehene in vollem Maße zu genießen, bot ihnen eine Art Intimsphäre, denn so, da waren sie sich allesamt sicher, konnten die Liebenden sie nicht sehen.

Als der Mann die Dame pietätlos durch das Zimmer stieß und ihre Schreie rhythmisch wiederhallten, neigten sich die Körper der Zuschauer im gleichen Winkel der zuckenden Süchtigen, doch bewegten sich ihre Köpfe dem Takte der vorankriechenden Geilheit beider Personen auf dem vor ihnen liegenden Fußboden folgend.

Eine beklemmende Situation ergab sich aus diesen Umständen, denn war die heiße Liebe des Paares ein Resultat eines geheimen Versteckspiels, dessen Offenbarung den Tod der beiden als Folge haben könnte, doch wussten die Blicke der anderen nichts darüber, waren sie doch nur hier, der Unterhaltung wegen. Wie süß müssen die verbotenen Früchte schmecken, wenn sie einem nie angeboten würden, das Fressen der Frucht aber unverschlossen und unzüchtig von Statten geht. Wie verschuldet muss es sich anfühlen des Spaßes wegen ein Verbot zu beobachten, wenn man sich doch gleichsam selbst diese eine Frucht wünschte.

Als ein rotes Licht erschien, blickten die Zuschauer auf und einander an, denn sie wussten nicht, ob sie sich nun freuen oder schämen sollten, als sie von einem dunklen Kämmerchen mit beschlagenem Sichtfenster in ein kommendes treten mussten. Der Neugierde folgend taten sie den nächsten Schritt, das Augenmerk dennoch auf das jeweilige Interessenfeld im Saal gerichtet, durchbrach nur die Trennwand der beiden Zimmerchen ihre sture Begierde.

Alsbald sichteten sie erfreut den nackten zweiten Akt der fleischlichen Lust, denn ohne Verdruss akkumulierten sie ihre Konzentration erneut auf das ruckartige Fortbewegen der animalischen Verpaarung und süffelten in Verzückung, als eine plötzliche Wendung ihnen eine andere Lust befrieden sollte.

Im Moment, als beide erstarrten Körper, im Schweiße triefend, in Speichel seufzend, den kurzen Weg des strafbaren Liebesaktes beinahe durchquert hatten, zog der vor Kraft strotzende Mann ein unnötig langes scharfes Messer aus seiner Scheide und richtete sein Augenmerk auf die vor Hilfe jauchzende liebestrunkene Gespielin unter ihm, sogleich die Gemeinde ein Schrei durchfuhr.

Der einst eingezogene Atemzug, welcher noch in aller Munde steckte, stieß mit einem Mal hervor, als darauf erneut die un-gläubig dünne Scheibe vor der zahlenden Gesellschaft beschlug und sich kleine Tropfen bildeten.

Mit einem weiteren festen Stoß durchfuhr die glatte kühle Spitze des Messers die zarte prickelnde Haut der Dame, die vor lauter Liebeslust kaum merkte, was mit ihr geschah. Erst als sich die fleischverklebte Messerspitze durch die dünnen Knochen brach und auf dem harten Teppichboden ihr Ende fand, bäumte sich ihr Körper auf, bevor sie vor Schmerz gellte. Das Gesicht des Mannes glühte vor Befriedigung, als er schließlich beide Instrumente mit einem Ruck aus ihr herauszog.

Unter Schock und näher an der gläsernen Scheibe stehend, verharrten die Zuschauer wie paralysiert in ihrer Position, doch erschien urplötzlich das rote Licht, welches das Ende des zweiten Aktes blutrot schimmernd färbte. Von Neuem, kaum sich lösend vom Anblick dieses schrecklichen Szenarios, rissen sie sich untereinander in das nächst folgende Räumchen, das erneut im Dunkeln stand und ihnen Schutz bot, vor der Frage nach der Wahl eines solchen, scheinbar allein der Kunst unterliegen-dem schamlosen Stückes, welches schon längst alle Grenzen des guten Geschmacks durchbrochen hatte. Diese Gedanken ignorierend schauten sie unnachgiebig auf das gesunde schallende Pärchen im Tanze der ewig Sinnlichkeit und Hingabe; denn die Zeit schien wie zurückgespult, als der Mann erneut sein riesiges Machtinstrument hervorzog und es ihr entgegenhielt, als da die gesamte Masse des Publikums reflexartig hervorschrie: « Non! »

Doch fragten sie sich im selben Moment, warum sie etwas der-artiges taten, da sie scheinbar gern im Verborgenen standen; doch entschieden sie sich wirklich dazu ihre Deckung aufzugeben, um die Dame vor dem sicheren Tode zu bewahren?

Das Dämchen riss die Augen auf und starrte schockiert in die Richtung des Publikums, als sie die Reflektion ihres nackten Körpers, in noch nie zuvor gesehener Stellung, im vermeintlichen Spiegel der gegenüberliegenden Wand betrachtet sah und vernahm, dass der Mann, der sie scheinbar liebte, ein großes Messer in seiner Hand hielt. Würde sie sich nicht alsbald bewegen, würde sie sowohl von dem kalten Stahl, als auch von seinem Todesblick wie ein Blitz getroffen.

Für einen kleinen Moment schien das Schauspiel still zu stehen, die Gehirne unbeirrt zu denken, die Nervenfasern überlastet, wenn die Geistesgegenwärtigkeit der Dame nicht dafür gesorgt hätte, dass sie aus ihrem Korsett blitzgeschwind ein kleines spitz zulaufendes Messer zog und es auf sein Herz richtete.

Die Zuschauer erschraken in chorgleichem Gesang und traten einen Schritt zurück. Ungläubig hielten sie die Hände vor die Münder, doch unterbrach sie leider das rote Licht, woraufhin sie sich alle, wie von einer Tarantel gestochen, durch den engen Durchgang quetschend, in das nächste Kämmerchen verfrachteten. Die Nasen rieben sie sich an der Scheibe, als die Dame, den Blick vom Spiegel abwendend, im vierten Akt, hastig ein kleines scharfes und spitzes Messer zwischen ihren Brüsten hervorzog und sich daran machte ihm eben diese Klinge wehrend in die feste, haarige Brust zu rammen, noch bevor er sie erstach.

Doch in diesem Augenblick öffnete sich die einzige Tür des Saales gleich hinter dem teuflischen Paar; herein trat ein Herr mit festem Blick und ledriger Haut, der, als er das bewaffnete nackte Liebespaar zu seinen Füßen erblickte, sogleich zu seiner Waffe griff. In Verteidigung der sich in Not befindlichen Dame, hilflos und nackt dem Tode ausgesetzt, richtete er sein unendlich langes spiegelndes Schwert auf den vermutlichen Übeltäter, doch in diesem bizarren Moment schrie erneut die Meute auf:

« Attention! Derrière vous! ».

Die erschrockenen Gesichter der Hauptakteure drehten sich so prompt dem Spiegel zu, der ihr Abbild in voller Pracht und mit lustverschmierter Diabolik abbildete, womit die Dame erkannte, dass ein besessener Herr in den Raum getreten war, der sein Schwert auf sie gerichtet hielt, und ihr somit klar zu werden schien, dass der Mann, der in ihr war, das Messer gänzlich und allein zu ihrem Schutze und Verteidigung gezogen haben muss-te; womit der Mann erkannte, dass die beiden nackten Körper nun entdeckt worden waren, und er wohl sie als auch den Herren alsbald dahinbringen muss, um gleich zu verhindern, dass seine Umtriebigkeit den Weg in die Öffentlichkeit fand und sein Herz den Weg in den Tod; womit der Herr verstand, dass hier der Teufel wütete, dessen Pläne er durchqueren musste.

Das Publikum riss in Unverständnis die Augen auf, den Atem stockend, die Spannung auf den rotglühenden Gesichtern, denn war es abzusehen, dass sich nun etwas Schreckliches ereignen musste.

Schon in der nächsten Sekunde schoss die Frau aus aller Kraft, zum Schutze ihres Liebsten, den spitzen langen Gegenstand in die Richtung des herannahenden Herren, doch noch bevor das Messer ihn in das rechte Auge traf, holte dieser aus, sich auf den Kopf des Peinigers richtend, und traf das schwarzhaarige Haupt des einstigen Lustmolchs tödlich, woraufhin dieser kopflos nach vorne fiel und mit seiner gezückten glänzenden Spitze das pochende Herz der Dame ein für alle Mal durchbohrte.

Schon in der zweiten Sekunde fielen die leblosen Körper alle-samt zu Boden und begossen den teuren Teppich aus dem Orient mit warmem Blut.

Völlig außer Rand und Band hielten sich die einen Betrachter geschädigt die Hände vors Gesicht, während sich manch anderer die Szenerie schmelzend auf der Zunge zergehen ließ, doch erleuchtete sie erneut ein rotes Licht. Zögernd und mit Unbehagen machten sich die Zuschauer auf, den folgenden Raum auf-zusuchen, um den fünften Akt zu beschließen, in welchem sie erneut die pure Neugier an die Scheibe trieb, doch zu ihrem Erschrecken lagen die Leiber noch immer tot am Boden, als ein schwarz gekleideter Mann den Saal betrat.

Er trug einen alten ledernen Mantel, welcher seinen langen dünnen Körper komplett verhüllt ließ und ihn nach unten zu ziehen schien; sein ungleichmäßiger Bart wuchs in Büscheln wie ausgerupft an seinem Kinn; wenig Haar fiel ihm vom faltigen Kopf. Ohne Zögern überschaute er die vorherrschende Situation, selbstgefällig trat er über den am Boden liegenden Herren hin-weg, blieb kurz stehen und betrachtete das seltsame Bild der ehemals Liebenden, wie sie nackt und übereinander gestapelt einen blutigen Kreis um sich herum bildeten. Als er sich an der Szenerie fettgefressen hatte, ging er, zum Schrecken aller Lebenden, direkt auf das Publikum zu und schaute unverblümt tief in den Spiegel hinein.

Die Menschen hinter der Glasscheibe erstarrten, als der boshaft aussehende alte Mann seine kalten Augen auf sie richtete, doch zugleich zog er eine knochige mit Dreck versetzte Hand aus seinem ledernen Ärmel hervor, welche nach der Scheibe griff und etwas festzuhalten schien.

Verängstigt traten die Zeugen von der Scheibe zurück und hielten sich schützend die Arme vor den Leib, doch griff er nicht nach ihnen, sondern nach dem Heiligen Kreuz, das am verzierten hölzernen Rahmen am oberen Ende des Spiegels befestigt war und auf unerklärliche Weise, an einem losen Nagel hängend, umgekehrt wie ein Mahnmal die ganze Zeit in seinem Namen vor dem Spiegel hing. Mit einem Lächeln, das seine fauligen schwarzen Zähne offenbarte, dreht er das Kreuz wieder in die falsche Richtung. Mit einem jaulenden Lachen schritt er bedrohlich schleichend davon, sein Werk war getan.

 

C'est la fin!

 

 

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Goodie – Zugabe für begierige Leser

 

strictly confidential – streng vertraulich

 

Ich bereue, dass ich Böses getan und Gutes unterlassen habe. Erbarme dich meiner, o Herr.

Vater, … o Vater, hört Ihr mich? Ich zweifle nunmehr an mir selbst, und glaub kein Wort, das man mir sagt, doch vernehmt Ihr mein Wort, spreche ich zu Euch?
[..]
Gut, o Vater, nun muss ich beichten, doch tat ich es noch nie zuvor! Liegt mein Herz wie Blei in meiner Brust, wohl meiner Taten wegen; weiß ich sie doch nicht zu deuten, weshalb ich nun hier kauern muss. In Wahrheit, … befällt mich der Geruch des alten groben Holzes, welches mich jetzt schwer umgibt, doch suche ich nun den einen Weg, der meine Lasten leicht erträgt.
[..]
Gewiss, o Herr, so hört mich doch!
Niemals fühlte ich mich ihnen hörig, schon, da nahm ich meinen ersten Atemzug. Ich wuchs auf in fremder Liebsamkeit und nährte mich von Zeit zu Zeit, doch Mutter nahm mich niemals wahr, weshalb der Bruder mich ansah. Der Vater lehrte mich den Mann, weshalb ich heute stehen kann. Ich merkte kaum, was mir geschah, als ich ein junges Mädchen war. Oh bitte, lieber Gott, so glaubt mir, vertraute ich doch jenem Menschen, der mir heut das Böse will, doch so schmerzvoll alles war, umso … genoss ich was sah. (weint!)
[..]
Nein, oh nein!
Er wird mich töten, richten, schlagen, streifen, sobald die Wahrheit Schwärze sprüht, denn sticht ein Funkeln mein Gewissen lebhaft, wenn mein Herz vor Blicken glüht.
[..]
Versteht Ihr nicht, ich fleh euch an, tat ich, was ich niemals kann, denn eines Tages war er nah, der Bruder, kaum dass ich mich versah. Ernüchternd denke ich an diesen Tag, wie er bleiern auf mir lag, die Kleider warn mir fortgerissen, und meine Lippen ganz verschlissen. Lieber Gott, was tat ich nur?
[..]
Ich sehe Sie im Angesicht, höre und rieche Sie im gleichen Maße, doch fühle ich Ihr Mitgefühl! Nur bitte nicht, o Vater, so glaubt mir, nie hab ich Euern Trost verdient. Ich bin die Bosheit in Familie; so gebe ich es offen zu; denn, was ich lang vermied zu sagen, da es mir das Schlimmste war; so genoss ich doch des Bruders Schoß und das genau bei jedem Stoß! (Schluchzen!)
[..]
Dem nicht genug, Vater! Niemals kann ich noch erklären, was uns die Gebote stets belehren, dass man seinen Vater liebt, bis dass der Tod uns bald umgibt. In diesem Sinne tat ich das, was mich die Pflicht allein umfasst, denn ehe sich die Schuld versah, war mir der Vater leibesnah! (zittert!)
[..]
Ich sehe Eure Augen nicht, doch erkenne ich Euer Schweigen.
Sprecht, gibt es den Teufel wirklich? Es muss! Wohl bin ich des Teufels eitler Plan, denn ist es somit leicht getan; dem Kampf, der dunklen Schlacht umhin, raubt man dem Mensch bequem den Sinn!
Ich muss sterben, bevor…
[..]
Was sprecht Ihr da? Ist nimmer wahr! Ich trage Mutters dunkles Haar, die schlanke Taille, das lange Bein, das spitze Kinn, … Ich bin und war nie Mutters Kind? (Schweigen!)
[..]
Der Herr vergibt mir meine Sünden?
In Demut muss ich nun gestehen, hab ich den Gott noch nie gesehen, weder glaubte ich an diesen Einen, noch konnten die Gebote keimen, denn würde Gottes Herz mich tragen, würde er sich nicht erlaben!
Hört Ihr das?

Vater, kommt nur herein!

...

 

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